„Eintracht ist ein gewachsenes Gebilde -
FC Energie Cottbus Trainer Wollitz im Interview
Zwei Schlüssel-Erlebnisse innerhalb einer Saison hat Energie Cottbus, heute bei Eintracht Braunschweig zu Gast, bereits erlebt. Innerhalb von einer Woche musste die Mannschaft von Trainer Claus-Dieter „Pele“ Wollitz zwei herbe Niederlagen einstecken. Im DFB-Pokal bei Holstein Kiel (0:3) und gegen den TSV 1860 München (0:5) kassierten die Lausitzer gleich acht Gegentore.
Seitdem hat sich Cottbus aber gefangen. In den drei folgenden Spielen blieb die Wollitz-Elf ohne Gegentor, näherte sich der Tabellenspitze an. Trotzdem bleibt Wollitz zurückhaltend. Vor der Partie in Braunschweig sprachen wir mit Claus-Dieter „Pele“ Wollitz, Trainer von Energie Cottbus.
Hallo, Herr Wollitz! Die ersten Spieltage sind vorüber. Wie fällt Ihr Zwischenfazit aus?
Ich halte grundsätzlich nicht viel von Zwischenfazits oder wöchentlichen Bestandsaufnahmen, denn wir befinden uns als Mannschaft in einer Entwicklung. Das ist ein fließender Prozess. Zum Durchatmen oder gar Zurücklehnen besteht jedoch keinerlei Anlass.
Was hat Ihnen bei Ihrer Mannschaft bisher gefallen, woran müssen Sie noch arbeiten?
Die Reaktion auf das 0:5 zu Hause gegen 1860 München war mit den anschließenden drei Spielen ohne Gegentor hervorragend und nicht selbstverständlich. Diese Disziplin hat mir gefallen und muss die Basis sein. Dass wir dennoch täglich hart an Automatismen arbeiten müssen, am Umkehrspiel, an der Kompaktheit, ist auch klar. Das hat aber wenig mit bisherigen Ergebnissen zu tun, sondern mit unserem Anspruch, uns zu verbessern.
Wie beurteilen Sie die Leistungen der Neuzugänge wie Ivica Banovic, Christian Müller und Dimitar Rangelov?
Ich möchte kein Urteil über einzelne Spieler abgeben. Die Neuzugänge haben den gleichen Anteil am bisherigen Abschneiden wie die etablierten Spieler. Jeder trägt seinen Teil bei. Jeder auf seiner Position, jeder mit seinen Stärken. Die sind naturgemäß bei diesen drei Spielern völlig unterschiedlich.
Ihr Youngster, Leonardo Bittencourt, soll bereits in den Notizbüchern zahlreicher Erstligisten stehen. Wie bewerten Sie das?
Leo Bittencourt ist für seine 17 Jahre schon sehr reif, eine richtige Persönlichkeit auf dem Platz. Ein Spieler seines Potentials muss den Anspruch haben, ganz nach oben zu kommen. Auf diesem Weg wollen wir ihn begleiten.
Als Trainer des VfL Osnabrück haben Sie dreimal, als Trainer des KFC Uerdingen einmal gegen Braunschweig gespielt. Ihre Bilanz ist mit drei Siegen und einem Remis nahezu makellos. Ist Ihnen ein Duell besonders in Erinnerung geblieben?
Die Duelle gegen Braunschweig waren immer brisant, sehr emotional und nicht selten dramatisch. Ich kann mich auch noch gut an ein Pokalspiel mit Osnabrück erinnern, das wir als unterklassiger Kontrahent gegen die damalige Zweitliga-Mannschaft 3:1 gewonnen haben. Meine Erinnerungen sind folglich nicht nur frisch, sondern auch durchweg positiv.
Wie schätzen Sie die aktuelle Braunschweiger Mannschaft ein?
Ich spreche nie über Stärken und Schwächen des Gegners. Da ich jedoch Augenzeuge des ersten Zweitliga-Saisonspiels der Eintracht war, kann ich zumindest sagen: Taktisch hat mich diese Mannschaft absolut überzeugt. Man sieht sofort, dass dies ein gewachsenes Gebilde ist, das kontinuierlich an das jetzige Niveau herangeführt wurde. Davor habe ich höchsten Respekt.
Was ist von Ihren Spielern gefordert, um in Braunschweig möglichst drei Punkte einzufahren?
Die Tugenden, die Grundvoraussetzungen im heutigen Fußball sind die, die wir zuletzt an den Tag gelegt haben: Hohe Wachsamkeit, große Laufbereitschaft, schnelles Umkehrspiel in beide Richtungen, konzentriertes Pass-Spiel. Und die Disziplin und Bereitschaft, Fehler des Nebenmannes ausbügeln zu wollen.
Zeichnen sich schon Tendenzen ab, welche Mannschaft am Ende um den Aufstieg spielen werden. Welche Rolle kann Energie Cottbus spielen?
Die Liga ist ausgeglichen und stark. Jetzt bereits Trends aufzuzeigen, verbietet sich. Es haben sich viele Mannschaften sehr hohe Ziele und sich selbst damit unter Druck gesetzt. Da sind Enttäuschungen vorprogrammiert. Fest steht: die 2. Bundesliga ist extrem gefährlich. Nur wer bereit ist, Woche für Woche alles zu investieren, kann in ihr bestehen.
Text: MSPW
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