Making Of „The Bohrinsel“

„1980 EM in Italien, Sieger: Deutschland; 1982 WM in Spanien, Sieger: Italien; 1984 ...“, Susi ­leierte die Liste im Stile einer Klassefrau runter. Alle Fußballgroßereignisse von 1980 bis heute. Sie hatte alles gelernt. Nur bei „EM 1988 in Deutschland“ musste sie kurz innehalten. „Äh, Holland?“ Dieter blickte stolz und zufrieden auf seine neue Freundin. „Right, gegen die Sowjetunion, Superkracher von van Basten! Weiter mit 1990. Dürfte ja wohl klar sein!“

Guter Einstieg? Der Kolumnist zweifelt. Eine wahre Geschichte, sicher, aber irgendwie doch zu blöd. Wer will das in Block acht lesen, wer will überhaupt so was, oh Mann. Vielleicht mal ganz ohne Fussi. Hm. Politik? Geht nicht. Zwischenmenschliche Beziehungen? Also bitte, denkt der Kolumnist, bin ich jetzt Ephraim Kishon?!

Der Kolumnist beschließt erst mal abzuwaschen. In drei Stunden ist Redaktionsschluss. Kein Grund zur Panik. Kontrollierte Offensive, die Null muss stehen hinten und vorne hilft der liebe Pointengott. Ein Teller zerbricht, eine Idee kommt geflogen: Fußball und Lyrik, ein völlig vernachlässigtes Gebiet, genau, am besten eine kleine Ode ...

Er mähte wie kein Zweiter zuvor. Liebevollen Augen freilich war es vorbehalten, im Spiele Merkhoffers idealiter die verborgene Schönheit, Poesie und Melancholie der Braunschweiger Eintracht der siebziger Jahre ausfindig zu machen. Der Pferdefranz hatte auch seine Übertreibungen, Gott ja, wie alle guten vorteilhaften Dinge auf Erden; aber war er doch der einzig mögliche Vermittler zwischen den in schwerer Arbeit und hoher Sorge dahinächzenden Außenverteidigern Erler und Zembski und Gottes Stürmerpracht Danilo Popivoda. Heute freilich ist es stiller geworden um den Pferdefranz.

Der Kolumnist checkt seine E-Mails. Er kontrolliert den Geschirr-Berg. Er geht zum Briefkasten. Nee, von der Siebziger-Eintracht schwärmen und über heute gnädig schweigen – das geht auch nicht! Der Kolumnist sucht noch mal in den Tiefen der Festplatte nach altem Käse. Die Inspektionen verlaufen unbefriedigend. Oder wieder `ne lustige Geschichte mit Olaf, denkt der Kolumnist, direkt aus der Kreisliga frisch auf den Lesetisch? Geht immer, passt immer.

„Weißt Du, wann ich zum ersten Mal das Wort ‚pornografische Schriften’ gelesen habe?“, wendet sich Olaf mir zu. Du Gütiger, was ist denn nun schon wieder, denke ich. „Das war 1979, in einem Was-ist-Was-Buch über Bohrinseln in der Nordsee. Da stand, dass die armen Männer oft viele Monate auf der Bohrinsel, getrennt von ihrer Familie ...“ – „Nee, so was Bescheuertes will ich jetzt echt nicht ...“ – „Doch, das stand da! 1979! In Was-ist-was, Thema: Bohrinseln. Dass die armen Männer in ihrer Not oft zu ...!“

Was sagt die Südkurve dazu, was die eigene Oma, denkt der Kolumnist. Wie viele Olaf-Joker darf man in einer Saison ziehen? Sollte man den „Pferdefranz“ besser doch rausnehmen, gibt’s wirklich keinen geeigneteren Namen als, herrjeh, „Susi“? Und was hat das mit Duisburg zu tun? Muss das was mit Duisburg zu tun haben, sollte wirklich dreimal „Duisburg“ vorkommen? Eine Minute bis Redaktionsschluss. Nee, murkelt der Kolumnist, dann lieber noch schnell zweimal „Eintracht“ schreiben. Jetzt erst recht: ­Eintracht forever!


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