Braunschweiger Musiker bekennen sich zu Eintracht

Fußball und Musik gehören untrennbar zusammen – unzählige Fangesänge schallen bei jedem Spiel durch die Stadien der Welt, jeder Verein hat seine Hymne und Songs wie „Three Lions“ oder „You‘ll never walk alone“ sind internationale Hits geworden.

Auch die Braunschweiger Musikszene ist überaus fußballbegeistert, Mitglieder der Bands Jazzkantine, Such a Surge, Hyper Child, Explosion, The Twang, Bukowskis oder Lekker sind regelmäßig im Stadion anzutreffen. „Rock‘n‘Roll und Fußball sind sich in vielen Dingen sehr ähnlich, vor allem wird in beiden Fällen laut gegröhlt“, befindet Olli Bukowski, Frontmann der Braunschweiger Punk‘n‘Roll-Band Bukowskis. Auch Flash „Wizard“ West, Bassist der internationalen Rock‘n‘Roll-Legende Explosion und seit Jahrzehnten Eintracht-Fan sieht klare Zusammenhänge: „Beides ist Männermilieu. Bei beidem muss man hart trainieren und sich die Finger bzw. Füße blutig spielen um nach oben zu kommen.“ Flash sieht auch klare Parallelen zwischen der Eintracht und seiner Band: „Uns verbindet vor allem die Tatsache, dass wir beide in großen Stadien spielen. Wir natürlich eher in den US-Stadien. Im Eintracht-Stadion würden wir nie spielen, das ist für uns heiliger Rasen!“ Selbigen hat das Bühnentier nach dem Aufstiegsspiel ausgiebig gewürdigt: „Ich habe den Rasen geküsst und Tränen darauf vergossen. Dazu kann ich stehen, weil ich sonst Metal-Magic-Man genug bin. Das Stück Rasen habe ich ausgeschnitten. Es wird jetzt von meinen Bediensteten in meiner Villa in Aserbaidschan gepflegt. Ich habe ja nicht so viel Zeit, weil wir ständig auf Tour sind.“

Der Aufstiegstag – für viele der Musiker einer der schönsten Tage ihres Lebens. Auch für Such-a-­Surge-Drummer Antek, der an diesem legendären Tag jedoch nicht vor Ort sein konnte. „Wir haben damals in Nürnberg beim Rock-am-Ring-Festival gespielt. Ich habe die ganze Zeit mit meinem Bruder, der im Stadion war, telefoniert und mir jeden Spielzug durchgeben lassen. Als dann in der Nachspielzeit das Tor gefallen ist, haben wir unmittelbar angefangen zu feiern, was wir sonst nie vor dem Auftritt machen. Auf der Bühne haben wir dann auch eine Eintracht-Flagge gehisst, was die Franken nicht so ganz verstanden haben.“ Antek bezeichnet sich als Hardcore-Fan, der zu jedem Heimspiel und nach Möglichkeit auch zu jedem Auswärtsspiel geht. „Als Braunschweiger stellt sich mir gar nicht die Frage, ob ich Eintracht-Fan bin. Wenn man hier aufgewachsen ist, gibt es gar keine Alternative. Ganz gleich in welcher Liga, ich werde immer weiter hinpilgern. Für mich ist es eine extreme Entspannung ins Stadion zu gehen. Das lasse ich mir durch nichts nehmen. Ich kann mir ein Leben ohne Eintracht nicht vorstellen.“

Antek hat auch bei der Stadion-Hymne „Bis ans Ende der Welt“ getrommelt und freut sich darüber, es „bis in die Lautsprecherboxen des Stadions geschafft zu haben“.

Auch andere Bands haben der Eintracht schon musikalisch gehuldigt. Die Bukowskis, immer geschlossen in Block 8 vor Ort, besingen den Verein im Song „Blau-Gelb“ auf ihrem neuen Album. „Ein sehr einfacher Song mit einer prägnanten Melodie, die man gut mitsingen kann. Darum geht es ja bei Fußballsongs vor allem.“

Auch die Pop-Punks von Lekker haben einen Eintracht-Lobgesang mit dem irreführenden Titel „Hannover 96“ im Programm. „Der Song ist aus einer Bierlaune entstanden. Ich habe den Text damals in einer Kneipe auf die Serviette geschrieben, das merkt man aber auch. Es geht im Grunde vor allem darum, wie geil Eintracht Braunschweig ist“, erklärt Sänger Michael Rohrbeck. Der gebürtige Magdeburger schätzt vor allem die „familiäre Atmosphäre und das gemeinsame Freud und Leid im Stadion. Besonders freue ich mich immer, wenn ich Fans mit dem Kombischal Eintracht/Magdeburg sehe.“

Auch Cowboys reiten in Blau-Gelb: Marshall, Gitarrist der Braunschweiger Alternative-Country-Band The Twang ist fanatischer Anhänger unserer Elf und lies es sich nicht nehmen, nach dem Aufstiegsspiel freudestrahlend Stadion-Rasen in vorbeifahrende Autos zu werfen. „Bis ich merkte, dass es ein Hochzeits-Konvoi war, in dem sogar ein Freund von mir mitfuhr. Aber vielleicht hat es ja Glück gebracht.“

Auch sonst spart er nicht mit skurrilen Anekdoten: „In unserer alten WG hatten wir einen riesigen Flur. Irgendwann haben wir mal die herumstehenden Bierflaschen eingesammelt, es waren etwa 500 und haben daraus ein großes BTSV-Logo aufgebaut. Bis wir ausgezogen sind konnten wir es sogar noch zu einem BTSV Eintracht Braunschweig erweitern.“ Die Fußball-WG hatte aber noch eine weitere Attraktion: „Ebenfalls im Flur stand ein Eintracht-Altar, vor dem wir aus der heiligen Bibel „Heinrich lass die Löwen los“ vorgelesen und danach Eintracht-Choräle gesungen haben. Bei Partys wurde immer die Altarglocke geläutet, dann mussten alle zusammenkommen und singen. In meiner neuen Wohnung steht er auch wieder, das Meisterfoto von ‘67 war aber das Erste was ich aufgehängt habe.“

Marshall kann sein Fan-Dasein nicht logisch begründen, bezeichnet es schlicht als „gottgegeben“. „Hinzu kommt, dass es sich mit dem Alter zu steigern scheint, es wird mit der Zeit schlimmer?…“. Und macht auch vor ungeborenen Kindern nicht Halt. Für den Nachwuchs liegen schon ein Eintracht-Strampelanzug, Schal, Mütze und Handschuhe bereit ...

Toby Schaper


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