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Was geht, Paul Breitner?

„Bei der Eintracht habe ich viel gelernt“

Paul BreitnerPaul Breitner hat schon so ziemlich alles erreicht: Er war Fussball-Weltmeister, Schauspieler, jahrelang mehr mit Uli Hoeness zusammen als mit seiner Frau und auch noch für ein paar Stunden deutscher Nationaltrainer. Zusätzlich glänzte er bei der Weltmeisterschaft 2002 mit seinem Fachwissen, wahlweise als komischer Kommentator oder als kommentierender Komiker für Sat1.

Und auch zu Braunschweig und zur Eintracht, für die er in der Saison 77/78 nach einem Gastspiel beim spanischen Dorfverein Real Madrid auflief, hat er noch Beziehungen, wie er im Interview erläutert.

Wann waren Sie das letzte Mal in Braunschweig?
Das letzte Mal war ich in Braunschweig kurz vor der Weltmeisterschaft. Ich hatte einen Termin in Wolfenbüttel bei Jägermeister. Über I. Bastian hab ich nach wie vor engen Kontakt zu J., außerdem bin ich regelmäßig in Braunschweig, da mir mit Richard Hartwig nach wie vor der Ritter St. Georg gehört. Auch privat bin ich mit Braunschweig eng verbunden, weil mir das Jahr hier (1977/78) auch tiefe Freundschaften gebracht hat, vor allem zu meinem damaligen Mannschaftskollegen Didi Erler.

Wie empfinden Sie im Rückblick Ihre Zeit in Braunschweig?
Es war ein schwieriges Jahr, vor allem weil es in der Mannschaft zu viele Spieler gab, die den Sinn ihres Berufes nicht erkennen wollten oder konnten und dadurch Neid und Eifersüchteleien von Anfang an einen möglichen Erfolg zunichte machten. Aber: nirgendwo ein Schaden, wo nicht auch ein Nutzen ist. Am Ende blieb ein Jahr, in dem ich viel lernen konnte. 

 „Viele Spieler haben den wahren Sinn ihres Berufes nicht erkannt“

Was waren für Sie die eindruckvollsten Erlebnisse bei Eintracht Braunschweig?
Die Beziehung zu Fa. Jägermeister, die bereits angesprochenen Freundschaften - dazu gehören auch D. Zembski und D. Popiroda -, das großartige Verhalten von G. Mast und die hervorragende Beziehung zu den Fans, die bis zur letzte Minute auf meiner Seite waren, weil sie erkannten, dass ich mich auch für sie einsetzte, spielte und kämpfte. Außerdem durfte ich ein Jahr unter B. Zebes trainieren und spielen, der mit Abstand der beste Trainer war, den ich jemals hatte.

Was sagen Sie zum Aufstieg von Eintracht Braunschweig in die zweite Bundesliga?
Es wurde langsam Zeit, dass die Eintracht wieder dorthin zurückkehrt, wo sie längst spielen müsste. Wobei ich die zweite Liga nur als Zwischenstation auf dem Weg zurück in die 1. Liga sehe! Ich hab mich über den Aufstieg riesig gefreut.

 „Ich sehe Eintracht auf dem Weg zurück in die erste Liga“


Was ist Ihre Prognose für die Zukunft von Eintracht Braunschweig?

Wie eben angesprochen, sollte die 2. Liga ein erster Schritt in die richtige Richtung sein. Jetzt gilt: ein Jahr überleben, im zweiten Jahr die Mannschaft so ergänzen, dass ein Platz im ersten Drittel der Tabelle erreicht wird, um danach durchzumarschieren. Mit einem vernünftigen 2/3-Jahresplan ist im heutigen Fußball viel möglich.

Wer sind für Sie die Favoriten in der kommenden Saison der zweiten Bundesliga?
Wie immer kommen natürlich zuerst die Erstliga-Absteiger. Aber, wie in der ersten Liga gibt es auch in der zweiten zehn bis zwölf  Mannschaften, für die alles möglich ist - nach oben und nach unten.

Sie galten früher immer als eine charakterstarke und individuelle Spielerpersönlichkeit. Vermissen Sie solche Spieler im heutigen Profi-Fußball?
Das Problem der fehlenden Persönlichkeiten hat nur am Rande mit Fußball zu tun. Es ist ein gesellschaftliches Problem. Wo gibt es überhaupt noch Persönlichkeiten?

Sie haben kürzlich mit Oliver Welke die Weltmeisterschaft 2002 auf SAT.1 moderiert. Können Sie sich vorstellen dauerhaft als Fernseh-Moderator zu arbeiten? Was haben Sie sonst für Pläne?
Auch in der neuen Saison werde ich immer wieder bei Sat.1 am Samstag oder Sonntag auftauchen. Ansonsten zähle ich nicht zu den Leuten, die für die Zukunft große Pläne schmieden.

„Wo gibt es heute überhaupt noch Persönlichkeiten?“


Wie beurteilen Sie die Weltmeisterschaft 2002 und speziell die Leistung der deutschen Nationalmannschaft?
Durch das deprimierende Auftreten einiger vermeintlich großer Favoriten (F, Arg. Port.) wurde das spielerische Niveau doch arg gedrückt. Darüber kann auch das begeisternde Auftreten der Veranstalterländer, vor allem Südkorea, nicht hinwegtäuschen. Keine Frage, was die deutsche Mannschaft erreicht hat, war für alle eine große, angenehme Überraschung.

Wenn Sie die Weltmeisterschaften 1982 und 2002 vergleichen - was hat sich in diesen 20 Jahren grundlegend verändert?
Man muss gar nicht 20 Jahre zurückgehen, 8 Jahre reichen. Seit der Weltmeisterschaft 1994 in den USA hat der internationale Fußball eine neue Richtung eingeschlagen: Hin zum Kollektiv, schrittweise weg von den Künstlern. Das wird dadurch unterstützt, dass sich das Geschehen auf 15 Meter links und rechts von der Mittellinie konzentriert, wodurch eben für Einzelkönner fast kaum mehr Raum da ist, um sich zu entfalten. Außerdem gilt mehr denn je: Safety first - zuerst mal nur nicht verlieren.
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