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Was geht, Bernd Franke?

„Wir waren ein Team, eine Mannschaft!“

„Ohne Sport könnte ich gar nicht leben“, erklärt Bernd „Adler“ Franke – der wohl beliebteste und erfolgreichste Torwart, der je bei Eintracht Braunschweig zwischen den Pfosten gestanden hat.

433 Spiele hat er in seiner langen Karriere von 1971 bis 1985 für Eintracht absolviert, davon 345 in der Bundesliga – so viel wie kein anderer Eintracht-Torhüter. Für die Deutsche Nationalmannschaft stand Franke außerdem in den Jahren 1973, 1977 und 1982 siebenmal im Tor.


Sind Sie noch manchmal in Braunschweig?
Ich bin öfter geschäftlich hier und ich habe noch Wohnungen in Braunschweig. Ich habe auch noch Freunde hier, die ich besuche – 14 Jahre in einer Stadt ziehen nicht spurlos an einem vorbei.

Wie kam Ihr Wechsel nach Braunschweig zustande?

Ich bin vom SV Wesen gekommen, das ist mein Stammverein. Ich bin dann nach Saarbrücken gegangen, das war Regionalliga Süd West. Von 1969 bis 1971 habe ich in Düsseldorf gespielt und bin mit der Fortuna in die Bundesliga aufgestiegen. Danach habe ich dann nach zur Eintracht gewechselt.

Was war Ihr schönster Moment in ihrer Zeit bei Eintracht?

Die ganze Zeit ist schön gewesen - jedes Jahr hat seine Reize gehabt. Sehr gerne erinnere ich mich an das Jahr 1977/1978, da sind wir im Europacup gewesen und sind gegen Kiew weitergekommen. Das waren sehr schöne Spiele. Dann natürlich auch die Länderspiele, die ich gemacht habe oder bei denen ich mit dabei war. Der Aufstieg - ich bin ja zweimal mit Eintracht aufgestiegen und bin auch zweimal abgestiegen. Aber wir waren eine Mannschaft, wir sind zusammengeblieben und deshalb sind wir auch wieder aufgestiegen.

 „Jedes Jahr bei Eintracht hatte seine Reize“

Was war Ihr schlimmster Moment?
Der Abstieg 1972/73 und 1981/82, das war richtiges Pech. Woran ich mich auch sehr negativ erinnere war 1977/78, als wir zuhause praktisch die deutsche Meisterschaft verschenkt haben. Wir haben gegen Hamburg und Bremen eins zu null verloren - da haben wir uns zu dumm angestellt. Normalerweise waren wir die beste Mannschaft in diesem Jahr.


Trotz zahlreicher Verletzungen (Fußbruch, Oberschenkel, etc.) haben Sie sich immer wieder herangekämpft. Woher kam dieser große Ehrgeiz?
Ich hätte normalerweise drei Weltmeisterschaften mitgemacht, durch die vielen Verletzungen ist es nur die i m Jahr 1982 geworden. Normalerweise wäre ich 1974 auch dabei gewesen. 1978 habe ich mir am letzten Tag das Bein gebrochen. Trotzdem würde ich sagen, dass das mein bestes Jahr war. Zu der Zeit war ich auch in Deutschland die Nummer eins. Wenn ich in einem anderen Verein gespielt hätte, hätte ich auch mehr Länderspiele gemacht.
Ich hatte zudem immer eine positive Einstellung, das ist sehr wichtig. Die Ärzte können meinetwegen gut operieren, aber der Patient muss auch etwas dazu beitragen. Ich habe immer umgesetzt was der Arzt verlangt hat und war dann immer sehr schnell wieder auf den Beinen. Ich hatte mehrere Meniskusverletzungen und war trotzdem nach vier Wochen wieder auf den Beinen. Vielleicht habe ich auch ein gutes Heilfleisch.

Wie erklären Sie sich Ihre große Popularität in Braunschweig?
Ich glaube die Fans haben es honoriert, dass ich immer zu Eintracht gestanden habe. Ich hatte mehrere Ange bote bekommen: aus Amsterdam, Bayern München oder Kaiserslautern. Immer wenn mein Vertrag ausgelaufen ist, gab es auch irgendwelche Angebote. Letztendlich bin ich dann jedoch immer in Braunschweig geblieben, weil ich mich hier wohl gefühlt habe.

 „Wir haben uns manchmal einfach zu dumm angestellt“

Wie war die Weltmeisterschaft 1982 für Sie?
Ab da gab es in der Nationalelf einen Knick. Es waren einige sehr überhebliche Leute dabei, die in der Mannschaft für Streitigkeiten gesorgt haben. Ab diesem Zeitpunkt Spanien war in Spanien kein einziges Länderspiel mehr ausverkauft. Vor kurzem war das wieder genauso, aber das hat sich jedoch Gott sei dank wieder geändert. Es gab einen neuen Ruck und es ist wieder eine Ehre für die Nationalelf zu spielen. Ich hatte jetzt bei dieser WM wieder den Eindruck: Das war ein Team, das war eine Mannschaft.

Wie waren die Olympischen Spiele 1984 in L.A.?

Die waren mit Abstand schöner als die Spiele 1982. Die ganze Atmosphäre und das drum herum waren viel besser. Die Olympiade in Los Angeles war eines der schönsten Erlebnisse meiner Kariere gewesen und ich bin froh, dass ich das mitnehmen konnte.

Woher kommt Ihr Spitzname „Adler“?

Den hat mir mein Torwart-Konkurrent bei der Eintracht Horst Wolter gegeben. Ich hatte damals eine sehr gute Sprungkraft und er sagte immer zu mir:“ Mensch, Adler, du fliegst in der Luft herum, du hast Schnee auf dem Kopf!“

Verfolgen Sie nach wie vor den Werdegang der Eintracht?

Ja, ich bin noch mit dem Herzen dabei und bin froh, dass Eintracht wieder den Sprung in die zweite Liga geschafft hat. Braunschweig ist eine Fußballhochburg gewesen, war immer im Spitzenfußball vertreten. Das hat die ganzen letzten Jahre gefehlt. Es wurden Fehler gemacht seitens des Vorstandes und der Trainer. Ich glaube, sie sind auf dem richtigen Wege. Sie müssen versuchen in dieser Klasse zu bleiben, um dann vielleicht noch mal den Sprung in die erste Liga zu schaffen.

 „Ich habe immer zu Eintracht gestanden“

Welche Chancen sehen Sie in dieser Saison für Eintracht?
Das ist wie ein Lotteriespiel. Philip Laux ist ein sehr guter Mann. Zudem wurde das Team auch im Sturm und im Mittelfeld verstärkt. Sie haben also Leute, die Tore machen können. Wenn der Trainer ein gutes Händchen hat und sie von Verletzungen verschont bleiben, können sie im vorderen Mittelfeld mitspielen. Es kommt ganz auf den Start an.


Was machen Sie heute beruflich?
Seit ich nicht mehr spiele, bin ich Adidas-Repräsentant hier im Süd-Westen.

Ihr Sohn hat uns gesagt, dass sie engagiert Tennis spielen. Ist das ein großes Hobby von Ihnen?
Ja, mit eines der größten Hobbys. Ich spiele immer noch gern, habe aber leider nicht mehr viel Zeit dazu. Wir haben in der höchsten deutschen Spielklasse gespielt, in der Regionalliga. Ohne Sport könnte ich gar nicht leben.

 „Ohne Sport könnte ich nicht leben“

Haben Sie noch andere Hobbies?
Ich spiele in einer Prominentenmannschaft. Die Politiker können ja nicht gut Fußball spielen, deshalb brauchen sie immer noch einige ehemalige Fußballer. Da komme ich im Jahr auf etwa 40 Spiele.

Im WM-Sticker-Sammelalbum haben sie als Lieblingssänger Udo Jürgens angegeben. Ist das immer noch aktuell?

Nein das hat sich geändert. Mit Udo Jürgens haben wir, von der Nationalmannschaft, mal eine Platte aufgenommen. Zu der Zeit hat er mir sehr gut gefallen. Heute höre ich alles was modern ist.
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