Was geht, Werner Rinas?
„Ich konnte mit links und rechts“
Vom 1. FC Saarbrücken wechselte Werner Rinas im Jahr 1965 zu Eintracht Braunschweig. Der Mittelfeldstratege galt als ein technisch versierter Spieler, der beidfüßig schießen konnte und viel Drang zum Tor hatte. In seiner ersten Saison für Eintracht kam Rinas 13 Mal zum Einsatz, wurde anschließend aber nur noch in Freundschafts- und Pokalspielen eingesetzt. Der Grund: Trainer Johannsen bevorzugte andere Spieler, ließ Rinas aber nicht gehen, obwohl diesem ein hochkarätiges Angebot von Bayern München vorlag. Enttäuscht – trotz gewonnener 67er-Meisterschaft – wechselte dieser in der Saison 1967/68 zum FC Schweinfurt 05 in die Regionalliga Süd. Später leitete Rinas die Sportabteilungen verschiedener Kaufhäuser und war viele Jahre für den Sportartikelhersteller Adidas tätig.
Herr Rinas, wann ging es bei Ihnen los?In Duisburg bei den Sportfreunden Walsum 09. Ich habe von 1948 bis 1959, meinem 9. bis zu meinem 20. Lebensjahr, dort gespielt. Mit 20 Jahren habe ich einen Vertrag in der Oberliga West bei Hamborn 07 bekommen und verbrachte dort 4 Jahre.
Dann kam der Sprung in die Bundesliga.
Ja, im Jahr 1963 wechselte ich in die Bundesliga zum 1. FC Saarbrücken. Im ersten Jahr habe ich 26 Spiele gemacht und 4 Tore geschossen, wir sind aber leider direkt abgestiegen. In der Regionalliga haben wir dann noch um den Aufstieg gespielt. Aber da waren wir in der Gruppe von Bayern München. Borussia Mönchengladbach in der einen Gruppe, und Bayern München in der anderen Gruppe sind am Ende aufgestiegen – wir haben es nicht geschafft.
Was waren Sie für ein Spielertyp?
Ich habe immer Mittelfeld gespielt – entweder halb links oder halb rechts. Ich konnte aus 20 Metern Tore schießen, mit links wie mit rechts. Bei mir gab’s da keinen Unterschied. Da war ich damals einer der wenigen. Dafür war ich schon in der Oberliga bekannt. Der Kölner Torwart Fritz Ebert hat immer Angst gehabt, wenn wir gegen den 1. FC Köln gespielt haben. Der hat immer geschrien: „Vorsicht, der Rinas kann mit links wie mit rechts!"
Waren Sie auch am Spielaufbau beteiligt?
Ja, natürlich. Das war ja mein großer Vorteil, dass ich auch aus dem Mittelfeld Tore machen konnte. Die Zeitungen schrieben, dass ich ein Mittelfeldstratege mit Tordrang bin. Und hoch springen konnte ich auch. Da gibt es noch Fotos von mir und Heinrich „Heinz" Kwiatkowski, der damals Torwart bei Westfalia Herne in der Oberliga war. Er war mit der Faust oben und ich war noch etwas drüber und habe ein Tor gemacht.
Warum haben Sie Saarbrücken verlassen?
Ich hatte Angebote aus der Bundesliga, vom Karlsruher SC und von Eintracht Braunschweig. Ich hatte mich innerlich schon für Karlsruhe entschieden, doch der Verein stieg 1964/65 zusammen mit Schalke 04 ab und so ging ich nach Braunschweig. Und dann hieß es plötzlich: Karlsruhe und Schalke bleiben in der Bundesliga, weil die Plätze von 16 auf 18 erhöht werden. Da hatte ich aber in Braunschweig schon unterschrieben.
Wie lief es für Sie zum Anfang?
Als ich kam, war auch Lothar Ulsaß, ein technisch hochversierter Mann im Team. Ich war auch technisch sehr gut veranlagt und da habe ich es schwer gehabt, denn Trainer Helmuth Johannsen hatte die Einstellung: „Ich brauch‘ nur einen". Da habe ich mich immer gefragt, warum er mich überhaupt geholt hat. Ich habe sehr gute Spiele im Mittelfeld gemacht, aber Johannsen brauchte nur einen Techniker und wollte ein anderes System spielen.
Wie haben Sie die Saison 1965/66, ihr zweites Eintracht-Jahr, in Erinnerung?
Ich erinnere mich vor allem daran, dass wir gegen Bayern München zwei Spiele gemacht haben. An einem Samstag im Januar 1966 gewannen wir ein DFB-Pokalspiel mit 1:0. Dann haben wir in München in der Sportschule übernachtet und Bayern München auch. Eine Woche lang haben wir immer abwechselnd trainiert, damit man nicht zusammen die Plätze benutzt. Die haben uns zugeguckt und wir den Bayern. Dann kam ein Meisterschaftsspiel, da hat mich der Trainer rausgenommen, ohne Begründung. Nur weil er Jürgen Moll, der später tödlich verunglückt ist, unbedingt einsetzen wollte. Wir haben 0:1 verloren, doch die Bayern wollten mich haben. Das Problem war nur: Johannsen wollte mich nicht gehen lassen und hat mich ein Jahr „auf Eis gelegt". Ich durfte nicht spielen, aber er hat mich auch nicht gehen lassen.
Das heißt, über die Deutsche Meisterschaft konnten Sie sich gar nicht richtig freuen.
Nein, ich bin auch nicht auf den Balkon gegangen. Was sollte ich mich denn da hinstellen? Ich hatte die Meisterschaft mit Eintracht ja nicht gewonnen.
Waren Sie traurig und enttäuscht?
Was meinen Sie denn!? Ich war 27 Jahre alt, im besten Fußballeralter. Ich bin dann 1967/68 zu Schweinfurt 05 gewechselt, aber nur des Geldes wegen.
Christian Göttner
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