Schalke 04 vs. Eintracht Braunschweig am 9.7.

Aktualisiert (Dienstag, den 13. Juli 2010 um 10:01 Uhr)

"Als Spieler habe ich hier immer heiße, schwere Begegnungen erlebt", erzählte Schalke 04 Cheftrainer Felix Magath im Rahmen einer Pressekonferenz zum Testspiel Eintracht Braunschweig gegen Schalke 04 am 9.7., 18 Uhr, im Eintracht Stadion. Gut gelaunt und braun gebrannt präsentierte sich der clevere Stratege im grauen Anzug, der auch als Spieler in seiner Karriere einiges vorzuweisen hatte.

Magath galt als hervorragender Techniker, der als Mittelfeldspieler aber auch noch wichtige Tore erzielte. So gewann der Hamburger SV 1977 mit seinem Treffer zum 2:0-Endstand gegen den RSC Anderlecht den Europapokal der Pokalsieger. 1983 verzauberte er die Hansestadt, als der HSV durch sein fulminantes 1:0-Siegtor gegen Juventus Turin den Europapokal der Landesmeister holte.

Magath wurde als Aktiver dreimal Deutscher Meister (mit dem HSV), bestritt 43 Partien für die Nationalmannschaft, wurde Europameister (1980) und zweimal Vize-Weltmeister (1982, 1986). Auch als Trainer zauberte der gewiefte Taktiker mit dem Spitznamen „Quälix“ (wegen des harten Trainings) die Titel nur so herbei: Er wurde UI-Cup-Sieger (1981 mit Eintracht Frankfurt), gewann das „Double“ (Pokalsieger und Meister, 2005 und 2006 mit Bayern München), wurde 2009 Meister mit Außenseiter VfL Wolfsburg und 2010 Vize-Meister mit Schalke 04. Mit seinem Ruhrpott-Team gastiert er am 9.7. im Rahmen der Gazprom-Initiative "Gib Gas gegen Gewalt" in Braunschweig und verspricht: "Wir werden hier mit der bestmöglichen Mannschaft antreten".
Von den Erlösen des Spiels soll ein Fanhaus für die Anhänger von Eintracht Braunschweig auf dem Vereinsgelände realisiert werden. Möglich wäre das Ganze in Form eines Überseecontainers. "Es soll ein Anlauf- und Treffpunkt für alle Fans sein, darüberhinaus werden das Fanprojekt und der Fanbauftragte hier auch in der Woche anzutreffen sein. Jeder hat die Chance direkt an Eintracht teilzunehmen", erklärt Marketing-Chef Sören-Oliver Voigt. Auch Eintracht Braunschweig Cheftrainer Torsten Lieberknecht zeigt sich begeistert von der Gazprom-Aktion und freut sich mit seinem jungen Team zur Saisonvorbereitung gleich gegen solch einen hochkarätigen Gegner, der auch Teilnehmer an der Champions League ist, antreten zu können: "Solche Spiele sind eine große Herausforderung und sehr lehrreich für meine neue Mannschaft. Wir wollen uns aber so gut wie möglich verkaufen."
Die Schalker Profis haben sich bei einem neuntägigen Trainingslager auf der Nordsee-Insel Borkum vorbereitet. Einige Testspiele gegen den Kreisligisten TuS Borkum, beim ostfriesischen Bezirksligisten TV Bunde sowie zuletzt gegen VfB Hüls wurden gewonnen.
Doch nach dem Weggang von Mittelstürmer Kevin Kuranyi, der in den letzten Jahren erfolgreichster Schütze der Schalker war - und nach der Saison zu Dynamo Moskau gewechselt ist - fehlt noch ein echter Goalgetter bei den Knappen. Immerhin hatte der Deutsch-Brasilianer in fünf Bundesliga-Jahren für die Schalker 76 Treffer erzielt, im Schnitt mehr als 15 pro Saison. Zusammen mit seiner Profizeit beim VfB Stuttgart hat Kuranyi in 261 Bundesliga-Spielen 111 Tore erzielt. In diese Fußstapfen könnte nun jedoch einer der weltbesten Torjäger treten. Denn Schalke 04 ist an einer Verpflichtung von Real Madrids langjährigem Kapitän und Rekord-Torschützen Raul interessiert. Die Entscheidung über eine mögliche Verpflichtung ist allerdings noch nicht gefallen. "Es gibt bislang noch keine neuen Informationen" erzählte Magath und fügte lächelnd hinzu: "Raul wird Freitag gegen Eintracht leider nicht dabei sein".
Ebenfalls nicht mehr dabei ist bei den Schalkern mit Publikumsliebling Gerald Asamoah ein weiterer Ex-Nationalspieler. Vor allem die Fans werden den Stürmer mit Kultstatus vermissen, auch wenn er zuletzt bei Felix Magath doch eher eine Außenseiter-Rolle gespielt hatte. Er kam nur noch zu seltenen Einwechslungen. „Blondie“ Asamoah wechselte zu Aufsteiger FC St. Pauli. Nicht mehr im Kader stehen auch die Brasilianer Zé Roberto II und Mineiro sowie Ersatztorhüter Mohamed Amsif, der zum Zweitligisten FC Augsburg transferiert wurde, sowie Mittelfeldspieler Lewis Holtby, der nach dem Abstieg des VfL Bochum als Ausleihspieler an den FSV Mainz 05 weitergereicht wurde.
Neu im Kader von Schalke 04 sind unter anderem Christoph Metzelder (von Real Madrid), der Slowake Erik Jendrisek (1. FC Kaiserslautern) und der japanische Rechtsverteidiger Atsuto Uchida. Jendrisek und Uchida werden in Braunschweig jedoch wegen ihrer Teilnahme an der Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika, bei der sie mit ihren Team jeweils das Achtelfinale erreicht hatten, noch nicht zum Einsatz kommen. Dies gilt logischerweise auch für Deutschlands WM-Torhüter Manuel Neuer und für den 18-jährigen Abwehr-Jungstar Joel Matip, der in Südafrika für Kamerun spielte.
Mit Spannung erwarten die Schalker Anhänger, ob sich zwei frühere Leistungsträger in der neuen Saison wieder zu Stammspielern entwickeln: Die früheren Nationalspieler Christian Pander und Jermaine Jones haben in der kompletten vergangenen Saison wegen hartnäckiger Verletzungen gefehlt. Linksverteidiger Pander hatte gegen Saisonende schon wieder erste Anläufe in der Schalker Reserve gemacht. Bei „Mittelfeld-Terrier“ Jones war die Verletzung bei zum Saisonende noch nicht auskuriert. Beide arbeiten jetzt für ihr Comeback, wobei es für Pander bereits wieder einen Rückschlag gab. Auf Grund muskulärer Probleme musste er das Trainingslager vorzeitig verlassen.
Ein wenig verstimmt war der 56-jährige Cheftrainer Magath während der Sommerpause darüber, dass die Schalker Vereinsmitglieder in der Jahreshauptversammlung eine Satzungsänderung abgelehnt hatten, nach der der Trainer auch bei Investitionen von mehr als 300.000 Euro nicht mehr den Aufsichtsrat hätte fragen müssen. Magath hätte sich das gewünscht, um schneller entscheiden zu können. Trotzdem besteht kein Zweifel daran, dass er nach wie vor die Richtung vorgibt und die Personalpolitik auf und neben dem Rasen bestimmt. So machte die Vereinsführung um den einflussreichen Aufsichtsrats-Chef Clemens Tönnies auch die Verpflichtung von Horst Heldt vom VfB Stuttgart trotz eines gültigen Vertrages möglich. Heldt nimmt Magath bei Schalke zumindest einen Teil seiner Manageraufgaben ab und gehört auch dem Vorstand an.

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