Was geht, Michael Scheike?

Aktualisiert (Dienstag, den 30. Juni 2009 um 10:51 Uhr)

„Danilo Popivoda war der Held meiner Kindheit“

Von der Jugend über die Amateure bis zu den Profis – Michael Scheike durchlief alle Stationen bei Eintracht Braunschweig, hielt dem Verein 17 lange Jahre die Treue. Erst ein schwerer Achillessehnenriss bedeutete das Karriereende des agilen Abwehrspielers, der den BTSV jedoch enttäuscht verließ. Heute arbeitet der 42-Jährige, der eine A-Trainer-Lizenz besitzt, für die Firma MBT im Sportschuhbereich.


Wann haben Sie mit dem Fußballspielen begonnen?
Ich war seit 1974 bei Eintracht, habe in der D-Jugend mit dem Fußballspielen angefangen und hier alle Jugendmannschaften durchlaufen. 1982 habe ich mit der A-Jugend um die Deutsche Meisterschaft gespielt, erst im Viertelfinale sind wir an Werder Bremen gescheitert. Als A-Jugendlicher war ich auch in der U-18-Nationalmannschaft bei Berti Vogts, der damals Trainer war. Mit dabei waren auch Spieler wie Michael Rummenigge und Torwart Raimund Aumann.

Sie haben dann auch schnell den Sprung zu den Eintracht-Amateuren und den Profis geschafft.
Ja, Trainer Aleksandar Ristic, der mich auch schon aus dem Jugendbereich kannte, hat mich in den Profi-Kader hochgezogen. Ich habe damals noch die Ehre gehabt mit Danilo Popivoda zu trainieren. Das war der Held meiner Kindheit. Aber auch Bernd Franke hat mich sehr beeindruckt: Er hatte eine super Einstellung, war immer nett, höflich und hilfsbereit. Ein Vorbild in jeder Situation. Außerdem war er ein absoluter Top-Torwart. Er hat sich wie eine Gazelle bewegt, als ob er Federn unter den Füßen hatte.

Wie haben Sie Aleksandar Ristic als Trainer erlebt?'
Er hatte eine Qualität, die nach ihm kein anderer Trainer mehr im Verein hatte. Und ich habe in meinen acht ein halb Jahren Profidasein bei Eintracht neun Trainer kennengelernt. Ristic war vom Fachlichen etwas ganz besonderes. Er war sehr autoritär und stand über den Dingen, doch das war in Ordnung. Damals wurde dem Erfolg eben alles andere untergeordnet. Ristic war ein sensationeller Taktiker, der sich jedes Spiel im Vorfeld wie ein Schachspiel durchdacht und das mit der Mannschaft dementsprechend strategisch umgesetzt hat. Er konnte oftmals vorausahnen, was im Spiel passiert, teilweise Tore voraussehen.

Erinnern Sie sich noch an den 11. Februar 1984? Beim 2:6 gegen Borussia Mönchengladbach bekamen Sie eine rote Karte.
Ja, das war eines meiner ersten Bundesligapiele überhaupt. Ich habe als reiner Manndecker gegen Frank Mill gespielt. Der hat damals mehr oder weniger immer mit den Schiedsrichtern gespielt, provoziert und sich ständig fallengelassen. Das war auch sehr extrem in diesem Spiel. Nach 35 Minuten hat man mir für ein leichtes Foul die rote Karte gezeigt.

„Eintracht war meine Heimat, mein Zuhause“


In der Saison 1984/85 kassierte Eintracht 79 Gegentore, stieg auf Platz 18 ab. Was war los?
Viele erfahrene Top-Spieler, wie zum Beispiel Peter Geyer, Peter Lux, Reiner Hollmann oder Jaroslav Studzizba haben aufgehört oder sind weggegangen. Nur mit jungen, unerfahrenen Spielern kann man einfach nicht in der Bundesliga bestehen. Das schafft man nicht. Das kam alles aus der Finanzmisere mit Jägermeister heraus.

Sie haben Eintracht 17 Jahre die Treue gehalten. Warum sind Sie nie zu einem anderen Verein gewechselt?

Das war damals noch ein bisschen anders als heute. Eintracht war in den 80er Jahren eine Top-Adresse in ganz Deutschland, man war stolz darauf hier zu spielen. Ich bin in Braunschweig geboren, Eintracht war meine Heimat, mein Zuhause. In meinem ersten Bundesligajahr 1983 sind wir Neunter geworden, hätten fast noch einen UEFA-Pokal-Platz erreicht. Ich hatte während meiner Profizeit aber auch Angebote von Borussia Mönchengladbach und ganz am Ende auch noch von Werder Bremen. Doch es war – bis zum Bosman-Urteil 1995 – nicht so einfach woanders hin zu wechseln, da man immer eine Ablösesumme gekostet hat. Nach meiner Achillessehnenverletzung bin ich vom Verein leider fallengelassen worden. Es hat sich niemand mehr gekümmert und bei mir gemeldet. Das tat schon weh.

Christian Göttner, Sebastian Walther

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